| Hilfe, wir haben ein Schreibaby |
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Anmerkung der Babynews-Redaktion:
Unter www.trostreich.de finden betroffene Eltern die Homepage einer Selbsthilfeinitiative für Schreibabys mit weiteren Informationen. Unter http://www.schreibaby-forum.de/ findet man ebenfalls eine Menge Infos und Tipps zum Thema Schreibaby. Ein Beitrag von Resi Rahnsch: Vorwort
Unser Baby war ein Schreibaby (Schreibaby=Baby, welches länger als 4 Stunden/Tag schreit, Großhadern). Bis dahin wußte ich weder, daß es den stehenden Begriff "Schreibaby" überhaupt gibt, noch was es damit auf sich hat - und noch viel weniger, wie man damit umgehen könnte. Zu diesem Thema bin ich auch schwer an Informationen gekommen - wobei ich auch nicht viel Zeit hatte, nach Informationen zu suchen.
Es sei vorweg gesagt, daß wir die Ursache des Schreiens nicht ergründen konnten, es hörte etwa nach dem vollendeten dritten Lebensmonat einfach von selber auf. Auf dem Weg dorthin haben wir jedoch einiges (kennen)gelernt, das Wissenswerteste daraus habe ich im Kapitel Tipps, Ärzte, etc. zusammengefaßt. Das soll auch Sinn und Zweck dieses Dokumentes sein: Informationen, Tipps und auch ein bißchen Trost für alle, die es ebenfalls "erwischt" hat! Wenn auch Ihr ein Schreibaby habt, wünsche ich Euch die Kraft und Energie, diese schwere Zeit durchzustehen! Gez. Resi Rahnsch, Forstern Juni/2000 Fallbeschreibung
Meine Schwangerschaft verlief bis auf folgende Punkte vollkommen problemfrei:
Die Entbindung war aus meiner Sicht moderat. Ich hatte zwar schon 2 Tage vor der Entbindung leichte Wehen, aber nicht zu heftig. Regelmäßige Wehen setzten dann etwa 10 Stunden vor der Entbindung ein (alle 7-8 Minuten), aber vom Schmerzmaß her erträglich, die Schlußphase der Entbindung war mit 4 Preßwehen ebenfalls sehr schnell vorbei. Bei der Entbindung war kein Schmerzmittel, Saugglocke etc. nötig - noch nicht einmal ein Dammriss oder -schnitt trat ein.
Unser Mädchen war also nun da. An ihrem 4. Lebenstag schrie sie zum erstenmal länger. Die bis dahin angewandten Beruhigungsmethoden - in den Arm nehmen, wickeln/streicheln, stillen - wirkten nicht. Damals glaubte ich an Blähungen, heute denke ich, daß es der Beginn ihrer Schreiphase war; anfangs meiner Meinung nach noch nicht so heftig, weil sie wohl von der leichten Gelbsucht etwas benebelt war. Zu Hause steigerte sich ihre "Unruhe" dann auch schnell mit abnehmender Gelbfärbung. Ab etwa ihrem 8 Lebenstag hat unser Mädchen geschrien, sobald sie wach war. Und ich meine hier nicht greinen oder weinen, sondern ein Brüllen - gespeist mit jedem Energie-Quäntchen, das ihr kleiner Körper zu bieten hatte. Dabei überstreckte sie sich wie ein Flitzebogen nach hinten, die Oberarme an den Körper gepreßt, die Fäuste fest geballt etwa auf Schulterhöhe. Aus diesem Brüllen konnte man sie dann auch nicht mehr herausholen. Sie war soweit weg, daß sie nichts mehr erreichte. Man mußte sie dann solange toben lassen, bis sie nicht mehr konnte. Nach etwa 20-40 Minuten war sie schließlich so erschöpft, daß sie vollkommen naßgeschwitzt einschlief. Solange sie sich noch nicht in der o.b. Weise festgeschrien hatte, konnte man sie durch Körperkontakt und heftige Bewegungen (Fliegergriff mit heftigem Fliegen bzw. Pezzi-Ball und wildes Hoppeln) am Brüllen vorbeilavieren. Sie war dann sehr unruhig und hat sich permanent gewunden. Einfach stille auf dem Sofa sitzen und in den Arm nehmen hat sie nicht beruhigt. In ihren ersten 11 Lebenswochen kam unsere Tochter auf etwa 8 Wachstunden am Tag. Da sie durch das Brüllen bereits einen leichten Nabelbruch hatte, habe ich um jede Minute gekämpft, die sie nicht brüllte. Sie haßte das Fahren im Kinderwagen, darum bedeutete dies für mich, daß ich in dieser Zeit wohl durchschnittlich 6-7 Stunden täglich mit ihr auf dem Pezzi-Ball war, was mich bis an den Rand der Verzweiflung erschöpfte. Ruhigere Ausnahme-(Vormit)Tage waren jene, an denen sie an den Vorabenden ganz besonders arg brüllte. Schaffte ich es durch wildes Ballgehüpfe, sie zum Einschlafen zu bringen, wurde sie umgehend jedesmal wach, sobald ich sie in den Stubenwagen legen wollte. So bin ich also mit ihr im Arm zum Sofa geschlichen und habe mich dort mit ihr eingenistet. Ich konnte zwar so verschnaufen, aber ein Nachholen des Schlafes war für mich nicht möglich. Von sonstiger Freizeit war sowieso überhaupt nicht die Rede. Dazu kam, daß sie sehr schreckhaft war. Schon das leise Klacken eines Messers beim Durch schneiden einer gekochten Kartoffel auf dem Teller reichte aus, um sie aus dem Schlaf zu schrecken. Ihrem Gebrüll war nicht zu entnehmen, ob sie müde oder hungrig war, so stillte ich sie alle 3 Stunden in der Hoffnung, daß sie auf diese Weise wenigstens nicht auch noch hungern mußte. Diese Zeitabstände hielt sie auch nachts ein. Bis zum Abend waren ich und auch mein Mann meist so erschöpft, daß wir uns nur noch mit unserem Mädchen im Arm auf das Sofa setzen und sie brüllen lassen konnten, solange bis sie einschlief. Dieses bittere und hilflose Ritual blieb meist meinem Mann, weil ich den Anblick einfach nicht ertragen konnte. Allerdings hatte diese totale Erschöpfung unseres Mädchens für uns die positive Seite, daß sie zwar auch nachts alle drei Stunden gestillt werden wollte, jedoch unter dem Stillen wieder eingeschlafen ist. Anfangs dachten wir an Blähungen und versuchten mit Bauchmassage, Kirschkern-Säckchen, SAB Simplex -Tropfen, Fencheltee etc. Linderung zu verschaffen - ohne den geringsten Erfolg. Anschließend haben wir versucht, dem Gebrüll homöopathisch beizukommen, was uns leider auch nicht gelungen ist. Wir hatten hierbei die "Blähungs-Ecke", die "Entgiftungs-Ecke" (wg. Antibiotika in der Schwangerschaft) sowie die "Schreck-/Panik-Ecke" (wg. Des Beinahe-Autounfalles in der Schwangerschaft) gründlich abgegrast - ebenfalls ohne Erfolg. Mittlerweile waren wir in ihrer 11. Lebenswoche angelangt, sie brüllte unvermindert. In diese Zeit fiel ein Wachstums-Schub unserer Tochter, was wir dadurch bemerkten, daß sie keinen Stuhlgang mehr hatte. Meine Hebamme klärte mich darüber auf, daß vollgestillte Säuglinge bei erhöhtem Energiebedarf die Muttermilch zu 100% aufbrauchen können. Nach diesem etwa 4 Tage währendem Schub hatte unsere Tochter zum erstenmal in ihrem Leben Momente, in denen sie lächelte und im Wachzustand ihre Fäustchen öffnete! Als nächstes hatten wir eine Beratung in der "Beratung für Schreibabies" in Großhadern. Dort bescheinigte man uns, daß wir ein Schreibaby haben und daß dieses Überstrecken ein ganz typisches Anzeichen dafür sei. Sie gaben dort auch den Rat, das Baby nach etwa 1 Wach-Stunde wieder schlafen zu legen, damit keine Überreizung - auch ein Schreigrund - eintritt. Leider hatten sie kein Patentrezept, wie ich unser Baby zum Schlafen bringen konnte. Mittlerweile schrieben wir die 13. Lebenswoche unseres Mädchens, ein neuer Wachstums-Schub mit etwa 7 Tagen ohne Stuhlgang machte sich bemerkbar. Nach diesem Schub veränderte sich die Qualität ihres Schreiens total. Innerhalb der nächsten 2 Wochen ließ sie sich zunehmend leichter beruhigen. Sie machte morgens nach etwa 1 ¼ Wachstunden ein 20minütiges Nickerchen und schlief mittags etwa 3 ½ Stunden! Es ließ sich aus ihrem Weinen nun auch heraushören, ob sie hungrig oder müde war. Erstmalig konnten wir - unser Mädchen auf dem Rücken liegend - mit ihr spielen! Dabei fiel uns aber auf, daß sie in Rückenlage immer noch sehr unruhig war und sich nicht so richtig wohlfühlte. Daher suchten wir einen von meiner Hebamme empfohlenen Osteopathen auf. Von diesem haben wir gelernt, daß es bei der Entbindung sehr häufig zu einem Verschieben von Wirbelchen kommt (ich drücke das alles jetzt mal sehr laienhaft aus!). Bei vielen Kindern finden die Wirbelchen von selbst wieder in die richtige Position zurück, aber eben nicht immer. Diese Babies bilden dann gerne Asymmetrien, die man dadurch bemerken kann, daß sie bspw. eine extreme Lieblingsseite haben, sehr unruhig schlafen, sich überstrecken (in unserem Fall eben nach hinten), beim Krabbeln ein Beinchen vernachlässigen etc. In schlimmen Fällen kann dies auch ein Grund für das viele Schreinen sein. Behebt man diese Einseitigkeiten nicht, manifestieren sie sich, werden jedoch von Mutter Natur kompensiert. Es kann dann sein daß sich Jahre später bspw. diffuse Kopfschmerzen, Bewegungsunlust, feinmotorische Störungen und vieles mehr aus diesem Grund herausbilden. Unser Mädchen hatte nun also auch ein verrutschtes Wirbelchen, sie legte ihr Köpfchen immer auf die linke Seite, sodaß sich ihr Kopf schon entsprechend einseitig geformt hatte. Sieht man ihr von oben auf den Hinterkopf, bemerkt man, daß sie versetzte Ohren hat. Nachdem besagter Osteopath das Wirbelchen an seinen Platz massiert hatte, schlief unser Mädchen viel ruhiger, spielte erstmalig in Rückenlage entspannt mit ihren Knien und schlief mir im - früher verhaßten - Kinderwagen ohne Geschrei ein! Alles in Allem scheinen wir das Gröbste - nach 3 ½ Monaten - überstanden zu haben! Unsere Taufpatin wird kommende Woche nicht - wie befürchtet - auf dem Pezzi-Ball zum Taufbecken hüpfen müssen J Tipps, Ärzte, etc.
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